Die aktuelle Analyse der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer Cottbus zeichnet ein vielschichtiges Bild der Region Südbrandenburg für die Jahre 2025 und 2026. Während die Wirtschaft mit einer hohen Arbeitsproduktivität glänzt, werfen der Rückgang der Bevölkerung und eine bevorstehende Welle an Unternehmensnachfolgen Schatten auf das Bild.
Starke Leistung trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Die wirtschaftliche Dynamik in Südbrandenburg präsentiert sich laut aktuellem Bericht robust, aber differenziert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Region stieg im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr nominal um beachtliche 15,6 Prozent auf insgesamt 26,2 Milliarden Euro. Besonders beeindruckend ist die Arbeitsproduktivität: Mit einem Wert von 68,00 Euro je Arbeitsstunde liegt der Kammerbezirk deutlich über dem brandenburgischen Landesdurchschnitt von 64,46 Euro und erreicht nahezu das bundesweite Niveau. In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) ist die Arbeitsproduktivität das Verhältnis von Bruttoinlandsprodukt (gesamtwirtschaftliches Produktionsergebnis) zur Einsatzmenge an Arbeitsleistung. Spitzenreiter innerhalb der Region ist der Landkreis Spree-Neiße, der mit 100,98 Euro pro Stunde den höchsten Wert verzeichnet.
Der demografische Faktor als Bremse
Trotz dieser Erfolge kämpft die Region mit einer schrumpfenden Basis. So sank die Einwohnerzahl auf 587.808 Personen, wobei sich dieser Trend laut Prognosen bis zum Jahr 2040 weiter verschärfen wird. Nur für den Landkreis Dahme-Spreewald wird bis dahin noch mit einem leichten Wachstum gerechnet. Diese Entwicklung spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist leicht rückläufig. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Alterung der Belegschaften, da der Anteil der über 55-jährigen Beschäftigten mittlerweile auf fast 28 Prozent angestiegen ist – junge Talente sind also gefragter denn je.
Nachfolgekrise und Ausbildungschancen
Die alternde Bevölkerung und der Fachkräftemangel stellt die Unternehmen vor eine existenzielle Herausforderung: die Unternehmensnachfolge in den lokalen Unternehmen der Region. Nahezu jedes sechste Unternehmen, dessen Inhaber bereits über 65 Jahre alt ist, steht unmittelbar vor dem Generationswechsel. Insgesamt müssen sich in den kommenden Jahren über 20.000 Betriebsinhaber in Südbrandenburg mit dieser Frage auseinandersetzen. Ein Lichtblick zeigt sich hingegen bei der Ausbildung: Die Zahl der neu eingetragenen Lehrverträge ist stabil, wobei die Integration ausländischer Auszubildender mit einem Anteil von über zehn Prozent eine immer wichtigere Rolle spielt.
Industrie unter Druck, Tourismus im Wandel
Sorgen bereitet aktuell das Verarbeitende Gewerbe, das in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 einen Umsatzrückgang von 11,4 Prozent hinnehmen musste. Insbesondere die Exportgeschäfte schwächelten deutlich. Auch der Tourismus, ein wichtiges Standbein der Region, verzeichnete nach einem erfolgreichen Jahr 2024 zuletzt leichte Rückgänge bei Gästeankünften und Übernachtungen (pp. 40-41). Dennoch investiert die Region massiv in die Zukunft: Zahlreiche Infrastrukturprojekte im Bahnverkehr sowie der kontinuierliche Ausbau der erneuerbaren Energien und der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität sollen die Lausitz langfristig als modernen Wirtschaftsstandort stärken
Optimismus bei moderatem Wachstum
Nach einer Phase der Stagnation wird für 2026 eine allmähliche wirtschaftliche Belebung erwartet, die jedoch mit einer Prognose von lediglich etwa 0,5 % Wachstum für Brandenburg eher verhalten ausfällt. Das regionale Handwerk zeigt sich dabei als stabiler Anker: Rund drei Viertel der Betriebe bewerteten ihre Lage Ende 2025 als gut oder zufriedenstellend.
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Den aktuellen Report als PDF kann man auf der Website der IHK Cottbus sowie der HWK Cottbus kostenfrei herunterladen.


