Für den ersten BER+ Salon im Jahr 2026 stellte die Gemeinde Schönefeld den großen Sitzungssaal im Rathaus zur Verfügung. Bürgermeister Christian Hentschel und Birgit Detig, 1. Vorsitzende der Interessengemeinschaft BER+ begrüßten gemeinsam die rund 90 Interessierten, die sich pünktlich eingefunden hatten und in mehreren Reihen dem Vortrag folgten.
Schwerpunktthema der Veranstaltung war der Bau-Turbo, damit stand die fachliche Vorstellung des §246e BauGB, im Vordergrund. Dazu referierte Dr. Jörg Wagner, er ist Ministerialdirektor im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), und hat das Gesetz maßgeblich mitgestaltet und auf den Weg gebracht.
Wohnraum und begleitende Infrastruktur auf der Überholspur
Der Bau-Turbo ist seit dem 30. Oktober 2025 offiziell in Kraft und er verspricht, frischen Wind in festgefahrene Planungsprozesse zu bringen. Für die Immobilienbranche in Berlin und Brandenburg eröffnet das neue Instrument spannende Spielräume. Was ist also genau dieser Bau-Turbo? Hinter dem Begriff verbirgt sich der neu eingeführte § 246e BauGB im Baugesetzbuch. Er fungiert als eine Art „Sonder-Joker“: In Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt dürfen Behörden befristet von vielen Vorgaben des Bauplanungsrechts abweichen, um Wohnraum schneller zu realisieren. Ob Aufstockung, Nachverdichtung, ob in B-Plangebieten oder bei Bauprojekten nach §34 also in Art und Maß der umliegenden Bebauung: Der Bau-Turbo kann und will helfen, damit mehr Wohnraum entsteht, sowie begleitende Infrastruktur, etwa eine Kita im Erdgeschoss oder wohnbegleitendes stilles Gewerbe. Aber: Reine Gewerbeprojekte profitieren nicht vom Bau-Turbo.
Damit ist die Regelung so etwas wie ist eine „Experimentierklausel“ und kann für Bauprojekte gelten, die bis zum 31. Dezember 2030 genehmigt werden. Der Bau-Turbo gilt nur in Kommunen, die per Rechtsverordnung als Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt ausgewiesen sind (§ 201a BauGB) und die ihn anwenden wollen. Denn ob in Gemeinde X oder Kommune Y der Turbo gezündet wird, das entscheidet die Kommunalpolitik, also ein Stadtparlament, ein Bürgermeister oder Dezernent. „Die Gemeinden sollten einen Grundsatzentscheid dazu herbeiführen, wie sie es vor Ort regeln wollen und diese Info zum Beispiel auf der Webseite veröffentlichen. So kann man gut und proaktiv ein Signal senden an alle, die planen und bauen wollen“, rät Dr. Jörg Wagner. Er würde gerne viele neue Bauprojekte sehen, die auf diese Weise entstehen. Ob und wie viele Projekte nach dem Bau-Turbo tatsächlich realisiert werden, wie gut er wo Anwendung findet und in welchem Umfang er zu neuem Wohnraum führt, das wird in den nächsten Wochen einem Monitoring unterzogen.
Bauturbo: Flexibilität, die genutzt werden will
Klar ist: Die Gemeinden erhalten maximale Flexibilität, behalten aber durch das zwingende Zustimmungserfordernis die volle Planungshoheit. „Kein Projekt geht gegen den Willen der Kommune durch“, so der Experte beim BER+ Salon. Große Chancen sieht auch Brigit Detig, 1. Vorsitzende von BER+ und selbst Architektin: „Mit dem Turbo können Vorhabenträger gegebenenfalls Projekte ohne langwierige Bebauungsplanverfahren realisieren. Das spart oft Jahre an Zeit und massive Finanzierungskosten. Wichtig ist jedoch eine frühzeitige, kooperative Abstimmung mit den Ämtern – wie immer im Leben steht und fällt es mit der Kommunikation.“ Detig wirbt dafür, den Bau-Turbo mutig anzuwenden und auch Projekte einzureichen: „Das ist jetzt eine gute Gelegenheit, die man auch nutzen sollte! Denn wenn der Gesetzgeber sich die Resultate anschaut und sieht, dass diese Möglichkeiten zu messbare mehr neuem Wohnraum führt, dann stehen doch vielleicht die Chancen nicht schlecht, dass die Regelung über den 31.12.2030 hinaus verlängert wird – ganz im Sinne von mehr Wohnungsbau.“
Umsetzungslabor klärt offene Fragen
In diesem Sinne ist der Bau-Turbo also eine mächtige „Abkürzung“ für alle, die in der Hauptstadtregion zügig Wohnraum schaffen wollen. Herzlichen Dank allen Interessierten, die beim BER+ Salon dabei waren und danke an unseren Referenten Dr. Jörg Wagner vom BMWSB. Derzeit führt der Deutsche Städtetag mit dem Ministerium ein Umsetzungslabor durch. Hier sollen die Städte sich im Prozess der Anwendung der Neuregelungen austauschen können und Unterstützung bei auftretenden Fragen erhalten. Am Ende des Umsetzungsdialogs steht die Erstellung eines Praxis-Leitfadens. Bereits jetzt finden Sie Informationen und FAQs zum Bau-Turbo unter: BMWSB Homepage – Bau-Turbo – BMWSB. Die FAQ-Liste wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag fortgeschrieben.










